Roggenmuhme

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EntitÀt / Titel: Die Roggenmuhme

Hintergrund: Die Roggenmuhme (u.a. Roggenfrau, Roggenweib) entstammt einer deutschen Sage und beschreibt ein weibliches, immaterielles Wesen, dass hÀufig als Korngeist und KorndÀmon bezeichnet wird. Trotz des unstofflichen Zustandes kann die Roggenmuhme als materielles Wesen erscheinen und mit seiner Umwelt interagieren.
Die Roggenmuhme soll unterirdisch im "Wurzelreich" von Getreidefeldern leben und sich von Korn ernĂ€hren. Findet sie im Feld unreife Ähren, reißt sie diese aus dem Boden. Wenn sie dem Bauer zĂŒrnt, so dorrt sie sein Feld aus und straft ihn auf diese Weise. Allgemein sorgt das Durchschreiten des Feldes durch die Roggenmuhme allerdings fĂŒr Fruchtbarkeit. Bei der Ernte flieht sie in die letzte Garbe. Die Roggenmuhme erhĂ€lt auch einen Anteil an der Ernte, der entweder stehen gelassen oder ins Feld geworfen wird. Diese Sitte soll die Roggenmuhme gnĂ€dig stimmen und ein fruchtbares nĂ€chstes Jahr herbeifĂŒhren.

Der Sage zufolge lockt die Roggenmuhme Kinder ins Feld und verschleppt diese, indem sie sie in ihren Sack oder Tragkorb steckt. Auch zieht sie Kinder, die auf dem Getreidefeld rumlaufen oder spielen unter ihren weit wehenden Rock. Sie fĂŒhrt hauptsĂ€chlich Kinder ins Feld in die Irre und lĂ€sst sie dort verhungern oder verhext diese. SpĂ€t in der Nacht soll sie böse Geister zu ungehorsamen Kindern ans Bett schicken um fĂŒr AlptrĂ€ume und Angst zu sorgen.
Oftmals mĂŒssen Kinder an den todbringenden BrĂŒsten der Roggenmuhme saugen oder werden von diesen geschlagen. Ansonsten lĂ€sst sie auch Kinder durch das herandrĂŒcken an ihre BrĂŒste oder sehr feste Umarmungen ersticken. Auch gilt sie als Herrchen der Roggenwölfe im Feld, welche die Kinder fressen. Des Weiteren verfĂŒttert sie Kinder an ihr brennendes Hornvieh. Oft hetzt die Roggenmuhme Kinder wie bei einem Wettlauf zu Tode. Hört ein Kind die Stimme der Roggenmuhme, muss es sterben.

Wegen des prominenten Merkmals ihrer BrĂŒste heißt die Roggenmuhme auch Zitenweib, Tittenwief, Tittenwiv oder TittewĂźf.

Beschreibung: Die Roggenmuhme besitzt das Aussehen einer schrumpeligen, alten Frau variierender GrĂ¶ĂŸe. Ihr Aussehen Ă€ußert sich in einem farblosen, schwarzen oder schneeweißen Erscheinungsbild.
Ihr Gesicht soll von borstenartigen Spitzen, wie die von Getreide geprÀgt sein. Auf ihrer krummen Nase trÀgt sie manchmal eine Brille. In manchen FÀllen wird sie jedoch als kopflos beschrieben.
Sie hat lange, faltige Arme und Krallen an ihren Fingern. Oft wird gesagt, dass diese aus Eisen bestehen sollen und sehr scharf seien.
Die ungewöhnlich großen, hĂ€ngenden BrĂŒste der Roggenmuhme sollen eine schwarze Farbe haben und mit Teer, giftiger Milch oder Blut gefĂŒllt sein. An ihren Enden sollen sich glĂŒhende Eisenspitzen befinden, die brennen.
HĂ€ufig ist die EntitĂ€t in zerlumpter, schwarzer oder grauer Kleidung gekleidet. Manchmal trĂ€gt sie jedoch einen roten Rock oder ein rotes Kleid mit roter MĂŒtze. Des Weiteren wurde sie in einem blauen Mantel oder mit weißem Kopftuch gesichtet. Oft scheint ihr Rock ohne vorhandenen Wind aufzuwehen.
Andere Zeugen sagten aus, dass sie KrĂŒcken zum Laufen benötigt.

Angeblich soll die Roggenmuhme die FĂ€higkeit besitzen, das Wetter zu beeinflussen, sowie Krankheiten und Tod zu verursachen. Zudem wurde beobachtet, wie sie ihren Körper auf ein ĂŒbermenschliches Maß vergrĂ¶ĂŸerte. Man geht davon aus, dass sie ihre Gestalt verĂ€ndern kann. So wurde sie bereits als folgende Tiere gesichtet: Schildkröte, Schlange, Frosch, Wolf, Katze, Hund.
Die Roggenmuhme soll die Geschwindigkeit eines Pferdes erreichen und zudem fliegen können.

Anmerkung: Einigen deutschen Bauern nach, fördert die Roggenmuhme gezielt den Wachstum der Getreidefelder in denen sie lebt. Bei Trockenheit soll sie fĂŒr Regen sorgen, zudem hindert sie spielende Kinder und Fremde davor, das Feld zu zertrampeln.

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